Aktueller Newsletter

Kommentar zur neuen Gallup-Studie

Gallup Engagement Index 2016: Schlechte Chefs kosten deutsche Volkswirtschaft bis zu 105 Milliarden Euro jährlich

In Zeiten guter Konjunktur und fehlender Fachkräfte unternehmen viele Arbeitgeber große Anstrengungen, um Mitarbeiter an sich zu binden. Dennoch stagniert der Anteil der Arbeitnehmer, die eine hohe emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber aufweisen und dementsprechend mit Hand, Herz und Verstand bei der Arbeit sind, bei 15 Prozent. Ebenso viele Arbeitnehmer haben innerlich bereits gekündigt. 70 Prozent der Beschäftigten sind emotional gering gebunden und machen lediglich Dienst nach Vorschrift. Das sind die zentralen Ergebnisse des Engagement Index 2016, den das Beratungsunternehmen Gallup in Berlin vorgestellt hat. Die Untersuchung belegt auch: Wie lange Mitarbeiter im Unternehmen bleiben und wie produktiv sie in dieser Zeit sind, hängt in erster Linie vom Führungsverhalten des direkten Vorgesetzten ab. Doch in punkto Führungsqualität klaffen die Wünsche der Mitarbeiter und die Wirklichkeit in den Unternehmen weit auseinander. Nach Gallup-Berechnungen kostet die innere Kündigung aufgrund schlechter Führung die deutsche Volkswirtschaft insgesamt bis zu 105 Milliarden Euro jährlich.

 

 

Gallup gibt hierzu folgende Stichworte:

 

  • Mitarbeiter erkennen Fehlentwicklungen – und schweigen
  • Machtverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt haben sich gedreht
  • Unternehmen setzen an den falschen Hebeln an
  • Chefs sind sich ihrer Defizite nicht bewusst
  • Feedback vielfach Fehlanzeige

 

 

Über den Engagement Index Deutschland

 

Seit dem Jahr 2001 erstellt Gallup jährlich, anhand von zwölf Fragen zum Arbeitsplatz und -umfeld, den sogenannten Q12®, den Engagement Index für Deutschland. Die Studie gibt Auskunft darüber, wie hoch der Grad der emotionalen Bindung von Mitarbeitern und damit das Engagement und die Motivation bei der Arbeit ist. Für die jüngste Untersuchung wurden insgesamt 1.413 zufällig ausgewählte Arbeitnehmer ab 18 Jahren in zwei Erhebungswellen zwischen dem 24. Februar und 24. März 2016 sowie dem 31. Oktober und 3. Dezember 2016 telefonisch interviewt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Arbeitnehmerschaft in Deutschland.

 

 

Quelle: Pressemitteilung der Gallup GmbH, Berlin vom 22.3.2017

(Die ausführliche Version der Pressemitteilung finden Sie hier)

Die Wertung der Ergebnisse der Studie durch Robert Berkemeyer:

Aus der praktischen Erfahrung mit vielen Teilnehmern meiner Seminare und Coachings kann ich die Ergebnisse der Gallup-Studie voll bestätigen. Konkrete Abfragen in meinen Seminaren zum Thema Mitarbeiterzufriedenheit liefern identische Resultate. Erschreckenderweise können die Mitarbeiter und Führungkräfte die bestehenden Probleme konkret benennen, äußern aber auch, dass im Unternehmen trotz deutlichen Hinweisen auf diese Probleme keine Lösungen gesucht werden. Für Kommunikationstrainer stellt sich dann die - vorsichtig formuliert - anspruchsvolle Aufgabe, mit zwei oder drei Seminartagen Probleme aufzuarbeiten, die in den vielen vergangenen Jahren entstanden sind und sich inzwischen manifestiert haben.

 

Die Lösung für die kritische Einstellung dieser Mitarbeiter in deutschen Unternehmen sehe ich in ganz unterschiedlichen und individuellen Ansätzen. Grundsätzlich aber vermissen die Mitarbeiter eine offene Kommunikation und ein ehrliches Interesse an ihren persönlichen Problemen. Es wird zu wenig miteinander geredet, und das sowohl in der horizontalen Kommunikation unter den Kollegen, vor allem aber auch in der vertikalen Kommunikation zwischen den Führungskräften und ihren Mitarbeitern. Hier setzt die Gallup GmbH mit dem Fokus auf einem qualitativ guten Dialog zwischen Mitarbeitern und Führungskräften den richtigen Schwerpunkt. Im letzten Jahr empfahl Gallup hierzu das Training von Mitarbeitergesprächen.

 

Als Grund für die schlechte Kommunikation wird oft der Mangel an Zeit genannt. Das kann stimmen, wenn den Führungskräften in ihrer täglichen Arbeit kein ausreichendes Zeitkontingent für Mitarbeitergespräche eingeräumt wird und diese eher den Job des "ersten Sachbearbeiters" erledigen müssen. Im Zuge von Arbeitsverdichtung werden Stellenschlüssel oftmals so lange reduziert, bis für das wertschätzende Gespräch mit dem Mitarbeiter nur noch ein paar Minuten verbleiben. Dagegen sollten sich die Führungskräfte deutlicher wehren: Die Führungsrolle - ernsthaft ausgefüllt - verlangt eben mehr Zeit für den Dialog mit den Mitarbeitern als die schnellen Gespräche zwischen Tür und Angel.

 

Oftmals ist die Angabe von Zeitmangel aber nur ein Vorwand: Etliche Führungskräfte beherrschen die Kommunikation mit dem Mitarbeiter nur unzureichend und genau deshalb wird das offene Gespräch vermieden. Genauso ergeht es aber auch den Mitarbeitern. Kommunikation ist eine Thematik, die von beiden Seiten kaum oder nicht intensiv genug erlernt wurde. Dies stelle ich vor allem in den Praxisteilen von Kommunikationsseminaren fest. Das "Wie" einer wertschätzenden Gesprächsführung ist wenig bekannt und die konkrete Umsetzung in Gesprächsübungen sieht dann oft recht holprig aus. Hier kann die Analyse einer Gesprächssequenz von 10 Minuten unter Umständen dann eine Stunde lang dauern, weil so viele Verbesserungshilfen von der Seminargruppe und von mir selbst gegeben werden.

 

Tatsächlich kostet ein konstruktives Feedback und engagiertes Gespräch mit den Mitarbeitern viel Zeit und Kraft. Wie auch Gallup feststellt, ist der Nutzen aus den Mitarbeitergesprächen aber erheblich. Die durch enge Märkte und hohen Wettbewerbsdruck notwendigen hohen Erwartungen an die Mitarbeiter können in diesem Gespräch erläutert und transportiert werden. Damit dient eine umfassende Kommunikation mit den Mitarbeitern – lobend und auch kritisch – der professionellen Umsetzung der erwarteten Arbeitsziele. Die Arbeitskräfte werden hierdurch zu echten "Mit-Arbeitern" und somit zu Multiplikatoren des unternehmerischen Erfolgs.

 

Eine tiefergehende Information zu Problemen und überraschenden Lösungen für die Entwicklung von Mitarbeitern erhalten Sie übrigens am Tag des Mitarbeiterpotenzials, der am 12.5.2017 in Herne stattfindet.

 

 

Darstellung und Kommentierung des Gallup Engagement Index 2016

Basis: Arbeitnehmer/innen ab 18 Jahre in der Bundesrepublik Deutschland

Stichprobe: 1.413 Arbeitnehmer/innen  wurden im Zeitraum Februar/März und Oktober/Dezember 2016 befragt

Quelle: Gallup GmbH, Deutschland, www.gallup.de

Kommentierung: BERKEMEYER Unternehmensbegeisterung

Weitere Downloads zur Gallup-Studie finden Sie hier:

Die ausführliche Version der Pressemitteilung und eine entsprechende Kommentierung finden Sie hier:

Newsletter abonnieren? Tragen Sie sich hier in das Kontaktformular ein.

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© BERKEMEYER Unternehmensbegeisterung, Robert Berkemeyer, Gelsenkirchen, Telefon 0173 2865790